Mail vom 17.August 2004
Naksa!
Das heißt Hallo auf Miskito. Mir gehts gut hier in Mittelamerika. Ich hoffe Euch auch, wo auch immer ihr seid :-) Kurz vor 8 Uhr abends. Seit mehr als einer Stunde ist es stockdunkel draußen. Und warm, nachts kühlt es kaum ab. Ich liege unter meinem Moskitonetz, während ich diese E-Mail in meinen Organizer tippe (in der Hoffnung, dass ich sie irgendwie auf den Computer im Internetcafé bekomme). Ich bin angekommen in der Stadt, in der ich nun fur ein Jahr leben werde: Puerto Cabezas, kurz "Port" oder Bilwi, wie sie von den Einheimischen genannt wird, an der Atlantikküste Nicaraguas. Am A**** der Welt. Dabei sah es vor einer Woche (erst eine Woche her?!) am Frankfurter Flughafen für kurze Zeit so aus als würde ich gar nicht losfliegen können. Die netten Damen und Herren von Continental Airlines wollen mich erst nicht mitnehmen. Weil ich kein Rückflugticket hab und es da irgendwelche "neuen Bestimmungen" seitens den US-Verantwortlichen gibt. Ein Telefonat später überzeut sie das Weiterflugticket dann doch. Ich will ja im Prinzip gar nicht in die USA einreisen. Nur das Flugzeug wechseln. Die spinnen, die Amis. Wollen alles möglich sicher machen. Aber irgendwie ist vieles nur Schikane. Schon beim Einchecken in Frankfurt werden "durch Zufall" Gepäckstücke bestimmt, die gleich an Ort und Stelle geöffnet werden. Mein Zeugs hat auch die Ehre. Doch der Security-Frau macht es anscheinend keinen Spaß, sich durch meinen vollen Rucksack zu kämpfen. Sie nimmt zwei Sachen raus und gibt auf, "das genügt". In New York/Newark lange Schlangen bei den Einwanderungsschaltern. Stempel. Dann komplettes Gepäck suchen. Das haben die irgendwo hingeschmissen, obwohl sie einem sonst eintrichtern ja darauf aufzupassen. Meine zwei Gepäckstücke muss ich dann über ein paar Rolltreppen schleifen, nur um es dann wieder einzuchecken. Hätten sie's einfach eingecheckt gelassen, hätten sie sich gespart alles nochmal zu kontrollieren. Wieder mal die Schuhe ausziehen bei der Kontrolle. Hier gibt's nur eine, in Frankfurt waren es zwei. Freundlich sind sie aber meistens, die Security-Leute. Meine Filme kamen ums Durchleuchten herum. Am Flughafen in San Jose sollte eigentlich jemand von dem Hostel warten, in dem ich eine Uebernachtung gebucht habe. Ich warte eine Weile, fahre dann mit dem Taxi zu der angegebenen Adresse. Alles dunkel, ich klingel. Nichts. Was tun? Warm genug zum draußen schlafen ist es ja. Nach einer Viertelstunde öffnet der Besitzer. Er weiß von nichts, teilt mir aber freundlich ein Zimmer zu. Außer mir ist niemand zu Gast. Am nächsten Morgen verlangt Costa Rica 26 Dollar Austritt, auch ich muss zahlen, auch wenn ich nichteinmal 15 Stunden da war. Am nächsten Tag eine Stunde Flug nach Managua. Der Beamte am Einwanderungsschalter begrüßt mich freundlich. Die dritte Einreise in ein Land in 24 Stunden. Ans Formulare ausfüllen habe ich mich gewöhnt. Fünf Dollar Eintritt und ich bin in Nicaragua. Knapp eine Woche war ich in der Hauptstadt Managua. Wohnte in einem sehr einfachen aber gar nichtmal so billigem Hotel, natürlich für einen deutschen Geldbeutel auch nicht teuer (okay, es hatte auch TV) und aß Reis mit Bohnen und Kochbananen (das Standardgericht hier für einen Vegetarier, schmeckt ganz gut). In Managua lernte ich auch einige Leute von der der dortigen Abteilung der Jugendorganisation der Iglesia Morava kennen, bei der ich ja meinen Freiwilligendienst machen werde. Ich war bei Kirchenveranstaltungen, spielte bei tropischer Hitze Basketball und machte "Sightseeing". Naja, allzu viele Sehenswürdigkeiten gibt's in Managua nicht. Ueberhaupt, eine seltsame Stadt. Flächenmäßig recht groß, total viel Grün und ziemlich unübersichtlich. Ueberall niedrige Häuser, Baracken, Hütten. Ein richtiges Stadtzentrum gibt es seit dem großen Erdbeben 1972 nicht mehr. Im Bus haue ich mir öfters den Kopf an. Kein Wunder: Der orangefarbenen Brummer ursprüngliche Aufgabe war das Herumfahren von amerikanischen Schulkindern... Heute (Montag) Morgen dann der Inlandsflug an die Ostküste. In der 12-Sitzgen Cesna wackelt es weniger als befürchtet. Ein kurzer Schlenker über den Atlantik, eine sanfte Landung, feuchte Hitze schlägt mir entgegen. Den Tag über regnet es ein bisschen, bisher nicht so heftig wie ich mir das so vorgestellt hab. Hier ist grad Winter, das bedeutet schlicht und ergreifend, dass es mehr regnet als im Sommer. Den Tag über redete ich mit allen mögliche wichtigen Leuten von der Kirche. Besser: sie redeten mit mir. Denn mein Spanisch ist noch nicht wirklich konversationstauglich und viele hier sprechen kein Englisch. Wer soll's ihnen verübeln. Spanisch ist für die meisten schon Zweitsprache nach der Indianersprache Miskito. Ich wohne hier (zumindest vorerst, soweit ich das verstanden habe) im Haus von einem mittelalten Ehepaar. Sozusagen als Untermieter, kochen und waschen usw. mach ich selbst. Oft seien sie sowieso nicht da. Ich habe ein eigenes Zimmer, allein bin ich darin aber nicht. Vorhin krabbelte irgendeine Mini-Echse an der Wand entlang. Strom gibt's hier. Fließend Wasser auch, zumindest zeitweise. Vorhin war's ausgefallen. Handys und Fernseher sowieso, auch wenn es sich um eine der ärmsten Regionen Mittelamerikas handelt, was man sonst in der Stadt auch durchaus nachvollziehen kann. Es gabe noch soviel zu erzählen, so viele Eindrücke... Das nächste Mal, bin jetzt müde, das Klima nimmt einen schon ein bischen mit. Freue mich auf E-Mails aus aller Welt (am besten im Text-Format, das geht dann schneller..).
Viele Grüße und aisabe
Sebastian
P.S. Achja, sowas wie ne Postadresse hab ich hier auch:
c/o Iglesia Morava
Officina Provincial
Puerto Cabezas
RAAN
Nicaragua